Sonnen-Vitamin gegen Wintermüdigkeit

Kaum zu glauben, aber mit der Länge des Winters wächst in mir der Wunsch, meine Höhle oder das heimische Sofa aufzusuchen und mich zu einem ausgedehnten Winterschlaf niederzulassen.

Schimpfen Sie mich ruhig antriebslos, denn das bin ich! Müde, schlapp, faul. Den Schuldigen konnte ich mit Hilfe wissenschaftlicher Studien schon finden: Melatonin heißt der Schurke, ein Hormon, das bei einsetzender Dunkelheit vermehrt im Körper ausgeschüttet wird. Melatonin mag bei Schlafstörungen ein Wundermittel sein – ich aber brauche das Gegenteil: Luft, Licht und Sonne. Davon gibt es derzeit in unseren Breiten eindeutig zu wenig. Klar, ein Winterspaziergang tut gut, ebenso wie Sauna-Wärme, aber das ersetzt eben nicht die Sonne!

Lange bevor UV-Strahlen durch ihre Hautkrebs verursachende Wirkung in Verruf geraten ist, wusste man um ihre positive gesundheitliche Wirkung. So galt bis zur Entdeckung der Antibiotika die Sonnen-Kur neben dem Aufenthalt in großer Höhe als einzige wirksame Therapie gegen Tuberkulose. Auch bei Kleinkindern hilft Sonne nachweislich gegen Rachitis. Denn bei UV-Bestrahlung der Haut bildet sich das Sonnen-Vitamin D, kein echtes Vitamin, sondern die Vorstufe eines Hormons. Seine Schlüsselfunktion für die Gesundheit wurde lange Zeit unterschätzt.

Neuere Forschungen aber brachten es ans Licht: Das Vitamin kann weitaus mehr als nur den Kalziumstoffwechsel regulieren. Es ist ein Multitalent, das Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt sowie das Immunsystem und die Psyche positiv beeinflusst.

Ausreichend Vitamin-D unterstützt also nicht nur meine Gesundheit in den Wintermonaten, sondern hilft auch gegen meinen Winter-Blues
Generell ist für den Körper eine gleichmäßige Versorgung mit dem Vitamin über das gesamte Jahr am besten. Doch der Vitamin D-Spiegel ist im Jahresverlauf großen Schwankungen unterworfen. In den Wintermonaten sind die meisten mitteleuropäischen Menschen unterversorgt und zehren von den Vitamin-D-Reserven im Fettgewebe. Im Laufe des Winters schmelzen diese jedoch fast um die Hälfte dahin.

Das heißt für mich: gerade jetzt nach Weihnachten scheint mein persönliches Depot erschöpft. Ich könnte große Mengen Lebertran zu mir nehmen oder mehr fetten Fisch essen. Aber auch der Fischkonsum in realistischen Mengen kann bestenfalls zehn bis 20 Prozent des Vitamin-Bedarfs decken, es sei denn, man isst täglich mehr als 200 Gramm Hering oder 600 Gramm Sardinen. Die Einzigen, die das aufgrund ihrer Essgewohnheiten problemlos schaffen, sind die Inuit. Ihre Fischmahlzeiten versorgen sie trotz mangelndem Sonnenlicht mit ausreichend Vitamin-D.

Auch in Milchprodukten, Eiern und in verschieden Pilzarten, wie Shiitake- oder Steinpilzen ist das Sonnen-Vitamin enthalten. Der Gehalt ist jedoch noch deutlich geringer als im Fisch.

Inzwischen gibt es zum Glück einfachere Wege sich auch im Winter mit Sonnen-Vitamin zu versorgen. Ich nehme also ein Vitamin-D Präparat. Und denke ernsthaft über einen Zweitwohnsitz während der Wintermonate in sonnigeren Gefilden nach und, wenn alles nichts hilft, gönne ich mir wie Igel, Eichhörnchen und Bär eine ausgedehnte Winterruhe auf dem Sofa mit einem guten Buch. Und träume vom nächsten Frühling mit seinen längeren, helleren Tagen…