Monatsarchiv: März 2011

Fleischlose Wochen und was alles so dazu gehört

Fastenzeit: Mittendrin statt nur dabei. Inzwischen ist Halbzeit und heute möchte ich mich mal über die Devise „Fleischlos glücklich“ austauschen. Der Karneval liegt ja nun schon ein paar Wochen zurück. Woher der Name für diese fünfte Jahreszeit stammt, ist nicht ganz sicher. Eine der häufigsten Vermutungen ist die Ableitung vom mittellateinischen „carne levare“ („Fleisch wegnehmen“). Daraus entwickelte sich „carnelevale“ („Fleischwegphase“) als Bezeichnung für die Fastenzeit. Oft finde ich auch den daraus resultierenden scherzhaften Ausruf „carne vale“ in der Übersetzung: „Fleisch, leb’ wohl!“ als Einläuten der Fastenzeit zitiert. Und so sagte ich auch leise: „Servus“.
Vorab muss ich sagen, ich mag ein gutes Steak, freue mich über einen Sonntags- oder Festtagesbraten und genieße auch schon mal gern eine Currywurst zwischendurch. Aber ich denke auch durchaus außerhalb der Fastenzeit über meinen Speiseplan nach. Gesunde Ernährung ist für mich und meine Familie keine Frage von Jahreszeiten. Tatsächlich esse ich geprägt durch diverse Lebensmittelskandale – von Gammelfleisch bis Dioxin in Futtermitteln – lange nicht mehr so viel Fleisch wie früher. Auch kaufen wir seit einiger Zeit Steaks und Braten nur noch beim Metzger unseres Vertrauens und nicht mehr an der Supermarkt-Theke.

Insofern habe ich dem klassischen Fleisch-Verzicht während der Fastenzeit zunächst nicht einmal mit einem mulmigen Gefühl entgegengesehen. Was ich dabei übersehen habe, sind die diversen fleischhaltigen Lebensmittel, die ich eben doch fast täglich zu mir nehme. Plötzlich muss ich richtig nachdenken.

Auf das Brot keinen Schinken, keine Salami, keine Leberwurst: Das ist ja noch relativ einfach. Jetzt gibt es eben Käse-, Radieschen und Gurkenbrote. Wie aber sieht es mit Ei aus? In der kirchlichen Tradition ist es durchaus vorgesehen, auch auf tierische Produkte wie Eier und Milch zu verzichten.
Ich entscheide mich allerdings, diese Dinge auch weiterhin zu mir zu nehmen und mich bei meiner Askese wirklich auf den Fleischverzehr zu konzentrieren. Schwer genug, denn da wären noch fleischhaltige Saucen, Tortellini mit Fleischfüllung, Suppen auf Fleischbasis oder mit Fleischeinlage und noch so Einiges mehr. Und eben auch winzig kleine Speckstreifen auf dem Flammkuchen …
Fleischverzicht bedeutet für mich tatsächlich nicht so sehr eine körperliche Erfahrung, als vielmehr eine, die (wieder einmal) zum Nachdenken über mein Konsumverhalten anregt und eine Herausforderung vor allem beim Einkaufen und Kochen darstellt.

Fisch übrigens darf man auch in der kirchlichen Tradition ausdrücklich während der Fastenzeit essen. Und so gibt es derzeit bei uns vermehrt Fisch- und Gemüsegerichte. Leichte Küche, die mir sicher in jeder Hinsicht gut tut und die zudem echt lecker schmeckt.
Trotzdem: Ich freue mich jetzt schon sehr auf den Lammbraten zu Ostern!
PS: Den Flammkuchen mit Speck habe ich nicht gegessen.

Kann man mal eben auf Kaffee oder Rauchen verzichten?

Im Januar habe ich sie endlich mal wieder getroffen: Meine Cousine Maja. Sie wohnt seit fast 15 Jahren in den USA und kommt leider nur ganz selten in die alte Heimat.

Maja und ich sind teilweise zusammen aufgewachsen. Uns verbinden Kindheits- und Jugenderinnerung. Vom Schaufelkrieg im Sandkasten über gemeinsame Urlaube auf dem Land bis hin zur ersten, klamm heimlich geteilten Zigarette.

Nun habe ich mich damals hüstelnd und tapfer gegen die Übelkeit kämpfend sofort gegen die Karriere als Raucher entschieden, während Maja offenbar auf den Geschmack gekommen ist und mittlerweile auf eine stattliche Raucher-Vergangenheit zurückblicken kann. Das ist umso erstaunlicher, als Maja ansonsten nicht nur auf ihre Gesundheit achtet, sondern schon fast als Gesundheitsfanatikerin bezeichnet werden kann.

Und so saßen wir an einem grauen Januar-Nachmittag endlich mal wieder gemütlich in unserem Lieblingscafe bei Kuchen und Kaffee und quatschten stundenlang über alte Zeiten und neue Freunde. Nachdem Maja zum dritten Mal fröstelnd von ihrer Zigarettenpause vor der Tür an unseren Tisch zurückkehrte, verkündet sie mir ihren Fastenvorsatz für 2011: Kein Nikotin. Ich bin erstaunt, nicht weil sie einen von vielen Versuchen machen möchte, dieses Laster abzulegen. Aber diesmal geht es nur um sieben Wochen ohne Zigarette. Und zwar im „kalten Entzug“, ohne Nikotinzufuhr auf anderen Wegen, z.B. durch ein Pflaster.
Sie wollte sogar mit mir wetten, dass sie das Fasten nicht brechen wird. Da ich es unfair finde, nur dagegen zu setzen und mir Sanktionen auszudenken, musste ich natürlich auch etwas in den Ring werfen. Ich verspreche also im Gegenzug, sieben Wochen lang kein Koffein zu mir zu nehmen, weder Kaffee noch Schwarztee dürfen mir den morgendlichen Energieschub liefern, und auch am Nachmittag entfallen Kaffeepause und Tea-Time. Allenfalls die Früchte- oder Kräuterteevariante darf ich mir gönnen, vielleicht auch mal einen Getreidekaffee … Bei diesem Vorschlag Majas muss ich mich schütteln, trifft einfach nicht meinen Geschmack.

Wer nicht durchhält, besorgt sich zur „Strafe“ sofort ein Ticket nach Deutschland bzw. in die USA, damit es nicht wieder Jahre dauert bis zu unserem nächsten Wiedersehen.

Und was, wenn wir beide erfolgreich fasten? Dann müssen wir wieder die Telefone heißlaufen lassen, um unsere Endlosgespräche fortzusetzen, lacht Maja. Ich mache einen anderen Vorschlag. Wir teilen die Kosten und besuchen einander trotzdem. Nur müssen wir noch losen, wer sich zu wem auf den Weg macht. Maja zückt ein abgebranntes und ein frisches Streichholz und los geht’s. Ich erwische das angekokelte Zündholz. Also auf in den wilden Westen!

Mitten in der Fastenzeit habe ich bisher nur Erfolgsmeldungen aus den USA gehört (die Terry, ihr Mann, als unabhängiger Zeuge bestätigt). So oder so ich freue’ mich auf unser nächstes Treffen und einen Trip über den Atlantik.

Was bringt der Verzicht auf Alkohol?

40 Tage keinen Alkohol, klingt das für Sie lächerlich, weil es ja kein Problem sein sollte? So sehe ich das eigentlich auch, es ist aber in der Umsetzung oft gar nicht so einfach.

Auf das Feierabendbierchen oder das Glas Rotwein zum Essen zu verzichten, finde ich in der Tat nicht sehr schwer. Aber beim Stammtisch einen Tee bestellen? Beim Fußballabend mit den Jungs eine gepflegte Apfelschorle trinken? Auf den Geburtstag eines lieben Freundes oder Verwandten mit Wasser anstoßen? Da begegnen mir schon komische Blicke und süffisante Kommentare. Und urplötzlich muss ich mich rechtfertigen, warum es eben nicht einmal ein Schlückchen auf das Wohl des Jubilars sein darf.

Erst jetzt merke ich, wie oft ich, ohne nachzudenken, doch zu einem alkoholhaltigen Getränk greife, einfach weil es dazu gehört oder gemütlich ist. Nicht einmal unbedingt aufgrund des Geschmacks, sondern vor allem wegen der Geselligkeit.

Aber genau darum geht es mir: bewusst auf etwas zu verzichten, das mir den Alltag versüßt und mir durchaus in einigen Situationen fehlt. Ich gebe auch zu, dass mir das nicht immer leicht fällt. Aber der Gewinn ist umso größer: In der Fastenzeit ändert sich für mich allein durch diesen kleinen Verzicht mein Blick auf die Dinge. Der Verzicht auf das gesellige Gläschen macht mich frei von gesellschaftlichen und von Konsumzwängen. Und seien wir ehrlich, hinterher schmeckt es mir umso besser und ich kann auch wieder bewusster genießen.
Gesund ist der Alkoholverzicht sowieso, denn Alkohol ist Gift für die Leber. Eine gesunde Leber kann bis zu einem Liter Bier oder einem halben Liter Wein am Tag vertragen. Wer mehr trinkt, überfordert das Organ und es kommt zu Entzündungen und zu einer so genannten Fibrose. Das heißt: der Körper produziert Bindegewebe statt neuer, gesunder Leberzellen: In der Folge kann es zu Verhärtungen, Verfettung und letztlich zu einer vollständigen Vernarbung der Leber kommen (Leber-Zirrhose). „Eine Fibrose kann sich noch zurückbilden, wenn man über einen längeren Zeitraum auf Alkohol verzichtet. Bei einer Zirrhose ist es zu spät“, erklärt Holger Hoffmann von der Deutschen Leberhilfe. Immerhin wird der Alkoholgenuss auch nicht giftiger, wenn man über einen längeren Zeitraum abstinent war.

Vielleicht nehme ich sogar ein paar Pfund ab, wenn Bier und Wein vom Speiseplan gestrichen sind. Aber was ist eigentlich mit Alkohol im Essen? Pralinen entsage ich derzeit sowieso, und da ich auch kein Fleisch esse, entfallen schwere mit Rot- oder Portwein abgeschmeckte Saucen. Sollte sich bei einer Einladung zum Beispiel etwas Sherry in der Suppe oder Sekt im Sauerkraut verstecken, ist das, glaube ich, verzeihlich! Außerdem verkochen ja auch die Prozente…

Schokolade in der Fastenzeit – darf man das?

Von Aschermittwoch bis zur Ostermesse in der Nacht von Ostersamstag auf Ostersonntag dauert traditionell die österliche Fastenzeit: Sieben lange Wochen Verzicht! Allerdings nur an 40 Tagen, die Sonntage sind nach katholischen Regeln “Herrentage”, an denen das Fasten unterbrochen werden darf.

Im Gegensatz zum Hungern soll das freiwillige Verzichten in der Fastenzeit eine körperliche ebenso wie eine geistige Erfahrung sein.
Mittlerweile ist Fasten en vogue. Aus dem zeitlichen und konfessionellen Zusammenhang losgelöst wird es zu jeder Jahreszeit und allerorten angeboten: Medizinisches Fasten, Heilfasten, Wellnessfasten, sich wahlweise jung oder schlank fasten hinter Klostermauern oder in Luxushotels. Ich beschränke mich für’s Erste auf die dafür vorgesehenen berühmten “7 Woche ohne” und orientiere mich zunächst an den traditionellen kirchlichen Regeln. Und die besagen: nur eine volle Mahlzeit pro Tag und zwei kleine Stärkungen. Aber was sonst noch?
Keine Genussmittel, das ist eine einfache Losung und doch schwer durchzuhalten. Kein Koffein, kein Alkohol. Nikotin nehme ich ohnehin nur passiv zu mir. Aber auch andere Varianten sind denkbar, der Verzicht auf Fleisch, Weißmehl, Medienkonsum oder auf das Autofahren.
Der Verzicht auf Süßigkeiten ist sehr populär. Umso erstaunter war ich, dass ich von höchster Stelle einen Verteidiger meiner Schokoladensucht fand. 1569 wollten die Bischöfe von Mexiko durch einen Abgesandten von Papst Pius V. erfahren, ob das Getränk mit dem Namen Xocoatl (Schokoladenwasser) in der Fastenzeit getrunken werden dürfe. “Der Papst kostete widerwillig, verzog das Gesicht und sagte: Potus iste non frangit jejunium – Schokolade bricht das Fasten nicht”, weiß Manfred Becker-Huberti, Pressesprecher des Erzbistums Köln und Brauchtumsexperte zu berichten.
Das mag daran liegen, dass die “zarteste Versuchung” im Originalzustand aus zerstoßenen Kakaobohnen, Wasser, Chili und Vanille eher herb-säuerlich schmeckt und nicht unbedingt als Genuss empfunden wurde.
Dennoch: der Schokostreit spaltete die katholische Kirche 250 Jahre lang in zwei Lager. Während die Jesuiten Schokolade als Getränk klassifizierten und den Genuss zur Fastenzeit erlaubten, hielten die Dominikaner sie für eine nahrhafte Speise und daher während der Fastenzeit für unzulässig.
In der Folgezeit haben amtierende Päpste mehrfach den Schokotrunk erlaubt. Und das, obwohl dieser sogar als aphrodisierendes Lustgetränk beschrieben wird. Auch heute noch gilt die Kakaofrucht, die mehr als 300 Substanzen enthält, als Stimmungsaufheller.
Vielleicht kann mir der Schokoladengenuss sogar durch die entbehrungsreiche Fastenzeit helfen? Dann sollte ich es aber wohl eher mit der bitteren, wenig süße Variante versuchen – und beim Verzehr an Papst Pius denken. Fett und Zucker nämlich will ich in den nächsten sieben Wochen wirklich weitgehend vermeiden!
In diesem Sinne: viel Erfolg und Willensstärke beim Fasten!

9 Tipps gegen das Morgen-Grauen

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Was tun, wenn die Übelkeit sich meldet, das Zimmer sich dreht und der Schädel brummt? Oder besser noch: was hilft wirklich, um diesen Zustand schon im Vorfeld zu vermeiden? Diese Frage stellt sich, ob zu Karneval oder anderen Gelegenheiten jedem, der schon einmal etwas zu tief ins Glas geschaut hat. Der morgendliche Schwur: “Nie wieder Alkohol” oder die Feststellung, dass das letzte Glas wohl schlecht war, hilft im Akut-Fall nur wenig. Es gibt aber neben der Abstinenz, die sicher wünschenswert und am gesündesten wäre, noch ein paar Tipps und Tricks um den größten Schaden abzuwenden:

1. Eine gute Grundlage schaffen: Reichlich und gehaltvoll Essen schützt den Magen vor Alkohol bzw. sorgt mindestens dafür, dass sich der Rausch etwas verzögert, was zugegebenermaßen dazu führen kann, dass man umso mehr trinkt…

2. In den USA schwört man neuerdings auf Honig als Kater-Killer. Im Gegensatz zu anderen Zuckerquellen enthält Honig Fruktose. Diese konkurriert mit dem Alkohol darum, im Blut wieder abgebaut zu werden, so Dr. Merle Diamond von der Diamond Headache Clinic in Chicago. Dadurch wird offenbar die rasche Veränderung des Alkoholspiegels verhindert, die sonst für die stechenden Kopfschmerzen am nächsten Morgen verantwortlich ist.

3. Wasser marsch: vor, während und nach dem Feiern immer auch viel Wasser trinken. Am besten mindestens dieselbe Menge Wasser wie Alkohol zu sich nehmen. Das verdünnt die Konzentration des Alkohols im Blut.

4. Vor dem Schlafengehen Aspirin oder ASS nehmen. Acetylsalicylsäure bekämpft schon im Voraus die Spätfolgen.

5. Kalte Dusche am frühen Morgen: Klingt alles andere als verlockend, hilft aber, den Kreislauf in Schwung zu bringen, und eignet sich dadurch weit besser als seinen Rausch auszuschlafen.

6. Sauerstoff – also raus! Nicht nur aus den Federn, sondern am besten gleich an die frische Luft!

7. Vitamin B-Speicher wieder auffüllen. Wie Stress entzieht auch Alkohol dem Körper Vitamin B1. Also schön nachfüttern, z.B. mit Vollkornprodukten oder Nüssen.

8. Katerfrühstück mit Rollmops und Co: Dabei geht es hauptsächlich darum, dem Körper Salz und Mineralien zuzuführen, das unter Alkoholeinfluss zu viel ausgeschieden wird. Wer keine feste Nahrung zu sich nehmen mag, kann sich daher einfach mit einer Tasse heiße Brühe behelfen. Magnesium-Tabletten können ebenfalls den Mineralhaushalt auf Vordermann bringen. Aber auch sauer macht (wieder) lustig, denn Säure regt die Leberfunktion an.

9. Deshalb: Kaffee mit Zitrone dazu. Durch das Koffein wird die Säure offenbar vom Körper schneller aufgenommen und hilft daher besonders gut.

Na dann: Alaaf und Helau und eine fröhliche Karnevalszeit ohne Katerstimmung!