Fastenzeit: Mittendrin statt nur dabei. Inzwischen ist Halbzeit und heute möchte ich mich mal über die Devise „Fleischlos glücklich“ austauschen. Der Karneval liegt ja nun schon ein paar Wochen zurück. Woher der Name für diese fünfte Jahreszeit stammt, ist nicht ganz sicher. Eine der häufigsten Vermutungen ist die Ableitung vom mittellateinischen „carne levare“ („Fleisch wegnehmen“). Daraus entwickelte sich „carnelevale“ („Fleischwegphase“) als Bezeichnung für die Fastenzeit. Oft finde ich auch den daraus resultierenden scherzhaften Ausruf „carne vale“ in der Übersetzung: „Fleisch, leb’ wohl!“ als Einläuten der Fastenzeit zitiert. Und so sagte ich auch leise: „Servus“.
Vorab muss ich sagen, ich mag ein gutes Steak, freue mich über einen Sonntags- oder Festtagesbraten und genieße auch schon mal gern eine Currywurst zwischendurch. Aber ich denke auch durchaus außerhalb der Fastenzeit über meinen Speiseplan nach. Gesunde Ernährung ist für mich und meine Familie keine Frage von Jahreszeiten. Tatsächlich esse ich geprägt durch diverse Lebensmittelskandale – von Gammelfleisch bis Dioxin in Futtermitteln – lange nicht mehr so viel Fleisch wie früher. Auch kaufen wir seit einiger Zeit Steaks und Braten nur noch beim Metzger unseres Vertrauens und nicht mehr an der Supermarkt-Theke.
Insofern habe ich dem klassischen Fleisch-Verzicht während der Fastenzeit zunächst nicht einmal mit einem mulmigen Gefühl entgegengesehen. Was ich dabei übersehen habe, sind die diversen fleischhaltigen Lebensmittel, die ich eben doch fast täglich zu mir nehme. Plötzlich muss ich richtig nachdenken.
Auf das Brot keinen Schinken, keine Salami, keine Leberwurst: Das ist ja noch relativ einfach. Jetzt gibt es eben Käse-, Radieschen und Gurkenbrote. Wie aber sieht es mit Ei aus? In der kirchlichen Tradition ist es durchaus vorgesehen, auch auf tierische Produkte wie Eier und Milch zu verzichten.
Ich entscheide mich allerdings, diese Dinge auch weiterhin zu mir zu nehmen und mich bei meiner Askese wirklich auf den Fleischverzehr zu konzentrieren. Schwer genug, denn da wären noch fleischhaltige Saucen, Tortellini mit Fleischfüllung, Suppen auf Fleischbasis oder mit Fleischeinlage und noch so Einiges mehr. Und eben auch winzig kleine Speckstreifen auf dem Flammkuchen …
Fleischverzicht bedeutet für mich tatsächlich nicht so sehr eine körperliche Erfahrung, als vielmehr eine, die (wieder einmal) zum Nachdenken über mein Konsumverhalten anregt und eine Herausforderung vor allem beim Einkaufen und Kochen darstellt.
Fisch übrigens darf man auch in der kirchlichen Tradition ausdrücklich während der Fastenzeit essen. Und so gibt es derzeit bei uns vermehrt Fisch- und Gemüsegerichte. Leichte Küche, die mir sicher in jeder Hinsicht gut tut und die zudem echt lecker schmeckt.
Trotzdem: Ich freue mich jetzt schon sehr auf den Lammbraten zu Ostern!
PS: Den Flammkuchen mit Speck habe ich nicht gegessen.

