Als ich gestern mit der Bahn von einem Besuch bei meiner Schwester nach Hause fuhr, musste ich etwas länger warten und verkürzte mir die Wartezeit mit einem Kaffee im Pappbecher. Ich mach das äußerst selten. Da ich leidenschaftliche Kaffeetrinkerin bin und nicht viel von lauwarmer Plörre aus dem Automaten halte, ging ich in einen dieser schicken Coffeeshop, die es inzwischen an jeder Ecke gibt. Vor mir orderte man einen Decaf-Caffe-Latte mit Sojamilch to go – kann man das wirklich trinken?.
Sojamilch ist lange schon kein Getränk mehr für Biofanatiker, Extrem-Vegetarier und Veganer, die keinerlei tierische Produkte zu sich nehmen. Sojamilch ist aus den Bioläden heraus und an der Theke jedes Coffeeshops und damit quasi in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Tofu als wässrig langweiliger Fleischersatz für Gesundheitsfanatiker, das war einmal. Inzwischen sind Spaghetti mit Sojahack, Tofubratwurst, Sojajoghurt und Co. in aller Munde. Auch wenn die Weltmeister des Sojakonsums immer noch in Asien sitzen, steigt auch der Sojaverbrauch in unseren Breiten an.
Die Wunderbohne Soja ähneln unseren Buschbohnen. Sie gehören zu den Hülsenfrüchten und sind reich an B-Vitaminen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen, Kalzium, Zellschutzmikronährstoffen wie Folsäure und Selen, die wichtigen Mineralien wie Magnesium und Mangan, Eisen, Zink sowie biologisch hochwertigem Eiweiß. Soja gehört zu den basischen Lebensmitteln. Es enthält praktisch keine Stärke und seine Kohlenhydrate werden sehr langsam verwertet. Soja ist gluten-, lactose- und cholesterinfrei. Damit gehört Soja zu den gesündesten Nahrungsmitteln überhaupt. Soja ist vielfältig, aus der Wunderbohne werden Produkte wie Sojamilch, Tofu, Tempeh, Sojasoße und Miso hergestellt. Allerdings müssen die reifen Bohnensamen vor dem Verzehr erhitzt werden. Durch Kochen werden die schädlichen Inhaltsstoffe beseitigt, die für viele Bohnenarten typisch sind und die Verdaulichkeit erhöht.
Unter gesundheitlichen Aspekten sind die in den Sojabohnen reichlich enthaltenen Isoflavone von besonderem Interesse. Isoflavone sind sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Phytoöstrogene, pflanzliche Hormone. Sie entfalten im menschlichen Körper eine schwache östrogene Wirkung.
Bei asiatischen Frauen wird die im Vergleich zu Europa wesentlich geringere Brustkrebsrate auf den reichlichen Sojakonsum zurückgeführt. Auch Beschwerden wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme, Gewichtszunahme und Osteoporose, die vermehrt in der Menopause auftreten, scheinen sich durch regelmäßigen Sojaverzehr zu verringern. Die Phytoöstrogene sorgen außerdem für ein straffes Bindegewebe und ein junges Hautbild.
Andererseits sind Isoflavone nicht uneingeschränkt gesund. Babys zum Beispiel dürfen nicht mit Sojaprodukten gefüttert werden, da ihr Hormonhaushalt und ihre Entwicklung dadurch durcheinander gebracht werden kann.
Für uns erwachsene Menschen kann der Sojaverzehr sich aber lohnen, er ist verdauungsfördernd und blutfettsenkend. Bereits zwei sojahaltige Mahlzeiten am Tag, zum Beispiel zwei Gläser Sojamilch können das schädliche Cholesterin (LDL) senken. Weiterer Effekt: Niedrige Cholesterinwerte mindern auch das Risiko einer Arteriosklerose – die Gefäße setzen sich nicht so schnell zu. Damit wird auch einem Schlaganfall vorgebeugt.
Seitdem ich das weiß, habe ich immer einen Liter Sojamilch im Haus und mache mit meinen Soja-Caffe-Latte zum hier trinken, ganz gemütlich auf der Couch und sorge so nebenbei für meine Gesundheit.
