Auch wenn hier und da die ersten Schneeglöckchen und Krokusse schon ihre Köpfchen aus der noch kargen Erde strecken, wenn die Vögel morgens bereits zwitschernd vom nahenden Frühling künden, noch ist es nicht so weit. Und gerade in den letzten Wochen des Restwinters scheint das Immunsystem zu erschöpft zur wirksamen Gegenwehr gegen alle möglichen Viren und Bakterien. Gegenmaßnahmen gibt es zu Hauf, aber nicht alle sind gleichermaßen wirksam.
Bei den ersten Anzeichen einer Grippe greifen viele von uns zur guten alten Schmerztablette. Die Beschwerden kann das im Einzelfall natürlich lindern. Die Acetylsalicylsäure in Aspirin oder ASS hilft gegen Entzündungen, Fieber sowie gegen Kopf- und Gliederschmerzen.
Allerdings: Fieber ist eine durchaus sinnvolle Körperreaktion, die den Erreger daran hindert, sich im Körper zu vermehren, und uns so hilft, wieder gesund zu werden. Schon deshalb sind fiebersenkende Mittel nur bedingt sinnvoll und verlangsamen den Heilungsprozess sogar. Da die kleine Tablette die Symptome auch immer nur vorübergehend lindert, kommt man schnell in einen Teufelskreis und wirft immer wieder eine neue Pille ein.
Überdosierungen aber, die bei diesen Medikamenten offenbar nach wie vor besonders häufig vorkommen, können fatal sein. Acetylsalicylsäure wirkt blutverdünnend. Paracetamol kann allergische Reaktionen hervorrufen. Besonders die blutverdünnende Wirkung von ASS, die gegen Herzinfarkt und Schlaganfall schützen soll, indem sie verhindert, dass sich das Blut verklumpt und die Gefäße verschließen, kann gefährlich werden. Durch den Eingriff in die Blutgerinnung kann es zu schweren Nebenwirkungen wie Blutungen in Magen, Darm oder im Gehirn kommen.
Inzwischen gehen Forscher beispielsweise davon aus, dass bei der spanischen Grippe Anfang des 20ten Jahrhunderts auch deshalb so viele Patienten starben, weil diese mit dem damals sehr populären Schmerzmitteln in hoher Dosis behandelt wurden. Viele der Grippetoten von damals weisen Lungenödeme auf, die diese Vermutung nahelegt. ASS in toxischen Dosen führt außerdem häufig zu Hyperventilation.
Übrigens: auch bei der Vorsorge können die Schmerzmittel manchmal mehr schaden als nützen. Werden sie regelmäßig eingenommen, können Wirkstoffe wie Paracetamol und Acetylsalicylsäure sogar die Wirkung einer Grippeschutzimpfung verringern. So können sie ein Enzym blockieren, das für die Immunabwehr wichtig ist und dafür sorgt, dass die Antikörper für den Grippeschutz aufgebaut werden.
Das ist möglicherweise auch die Erklärung dafür, dass viele ältere Menschen, vor allem Herzpatienten, die regelmäßig Schmerzmittel futtern, schlecht auf Grippeimpfungen ansprechen, obwohl die Spritze gerade für diese Risikogruppe besonders empfohlen wird.
In diesem Sinne: Kommen Sie gesund durch den Restwinter!
