Lassen Sie sich ja keine Beeren aufbinden

Jetzt ist die Zeit für frische Früchtchen. Appetitlich rot und blau präsentieren sich Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren Blaubeeren, Kirschen, die letzten Erdbeeren und die ersten Pflaumen auf den Wochenmärkten und in den Supermärkten. Wer gerne Rote Grütze ist oder Marmelade einkocht, kommt im Spätsommer an den Ständen und Paletten kaum vorbei.

Die säuerlichen Johannisbeeren, ob rot oder schwarz, sind eigentlich für Ihren hohen Vitamin C-Gehalt berühmt, kommen aber in der Beurteilung von Verbraucherschützern besonders schlecht weg. Laut einer Greenpeace-Studie von Anfang Juli ist offenbar der Pestizid-Einsatz gegenüber dem letzten Beeren-Test 2009 noch gestiegen. Einige der in Johannisbeeren nachgewiesenen Spritzmittel sind in der EU nicht einmal zugelassen. Himbeeren dagegen, und das ist die gute Nachricht, sind weitgehend pestizidfrei. Und Strauchbeeren in Bio-Qualität können ohnehin bedenkenlos vernascht werden, in Ihnen waren keinerlei Rückstände zu finden.

Da wir uns nicht unnötig belasten und trotzdem auf die Beerchen keineswegs verzichten mögen, kann ich Ihnen nur meine ultimative Himbeertarte empfehlen:

Blätterteig ca.. 15 Minuten vor-backenen, mit einer Ricotta-Ei-Vanillecreme bestreichen, dabei das Eigelb zuerst mit dem Ricottakäse, Mark einer Vanilleschote und 50g Puderzucker verrühren, das Eiweiß steifschlagen und unterheben. Das Ganze mit Himbeeren bestücken evtl. mit etwas Puderzucker bestäuben und nochmal 15 Minuten backen.

Warm oder kalt servieren und ganz viel Lob einheimsen. So schmeckt der Sommer!

Barbara Rhabarber

Als Kind mochte ich sie gar nicht, diese säuerlichen, leicht bitter schmeckenden Stangen mit den vielen Fasern, die man gerne mal zwischen den Zähnen wiederfand und herauspuhlen musste. Inzwischen habe ich sie schätzen gelernt und liebe sie in nahezu jeder Form, als Marmelade oder Grütze auf Kuchen und als Saftschorle.

Das Gemüse, denn Rhabarber ist, wie ich von meiner Oma gelernt habe, kein Obst, obwohl es so verwendet wird, eignet sich prima zum Frühjahrsputz von Innen.

Zwar ist der Vitamingehalt nicht besonders hoch, wird aber wettgemacht durch einen hohen Gehalt an Mineralien: Eisen, Kalium, Magnesium, Phosphor, ein bisschen Jod wirken positiv auf Herz und Kreislauf. Entscheidend für reinigende Wirkung des Rhabarbers ist aber sein säuerlicher Charakter: reichlich vorhandene Zitronen- und Apfelsäuren, verschiedene Glykoside, Gerbstoffe, ätherische Öle und das darmfreundliche Pektin. Dessen Inhaltsstoff “Anthrachinon” reizt das Gewebe in Leber, Galle und Darmschleimhaut und wirkt dadurch abführend.  In China kennt man diese Wirkung der Rhabarberwurzel bereits seit mehr als 5000 Jahren, immerhin 4850 Jahre länger als bei uns, und stellt daraus Abführmittel her.

Aber nicht alles am Rhabarber ist gesund:

Die Wurzel haben Heilkräfte, die Stiele sind nahrhaft und die Blätter hochgiftig – eine multiple Persönlichkeit also mit dem Hang, leicht zu erröten – wie sympathisch!

Aber Rhabarber ist auch mit Vorsicht zu genießen. Aufgrund seines hohen Gehalts an Oxalsäure (grüner Rhabarber enthält mehr als roter), die für den leicht bitteren Geschmack verantwortlich ist, darf Rhabarber nicht roh gegessen werden. Die Oxalsäure entzieht dem Körper Kalzium und greift den Zahnschmelz an. Durch großzügiges Schälen und Aufkochen kann man die Oxalsäure reduzieren, auch eine Verarbeitung mit Zitronensaft oder Wein bindet Säure und mildert den Geschmack. Rhabarber darf außerdem nicht in Aluminiumtöpfen gekocht werden – auch wenn ich das jahrelang gemacht habe -, die Säure kann das Metall lösen.

So und jetzt freue ich mich auf ein Stück leckeren Erdbeer-Rhabarberkuchen mit viel Schlagsahne (nur für den Kalziumausgleich – versteht sich!)